Werner Hansch im Interview mit eSport-Fussball.de

Foto von Werner Hansch

Wir konnten mit Werner Hansch, Reporterlegende und zuletzt Big Brother-Gewinner, über das Thema eSport sprechen und haben ein paar wirklich interessante Dinge erfahren.

Herr Hansch,
vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen.

Wie kommen Sie aktuell durch diese schwierige Corona-Zeit?
Gott sei dank sehr gesund, weil ich mich konsequent an alle vorgegebenen Regeln halte, wenig Kontakt, immer Maske, Abstand, Hygiene, alles was dazu gehört und ich werde mich auch ganz sicher, wenn ich kann, sofort Anfang Februar impfen lassen.

Sie waren von 1998 bis 2000 Kommentator für die Fußball-Simulation „Fifa“. War es für Sie ungewöhnlich, Aufnahmen für ein Computerspiel zu tätigen? Welche Erinnerungen haben Sie daran?Absolut leider keine guten Erinnerungen. Es war total stupide, man sitzt ungefähr 8 Stunden in einem Studio, hat ein dickes Buch vor sich und muss einzelne Situationen sozusagen immer wieder neu besprechen, „Elfmeter unten links gehalten“, „oben rechts daneben“, bei gutem Wetter, bei schlechtem Wetter und so weiter. Es hat mich total gestresst und ich würde es vor allen Dingen, wenn ich an das Honorar denke, dafür nie mehr wieder machen.

Haben Sie selbst schon einmal Fifa oder ein anderes virtuelles Fußballspiel gespielt?
Nein, im Leben noch nicht. Ich bin der letzte analoge Mensch.

Es gibt im sogenannten Fifa-Pro Club-Modus die Möglichkeit, bei der 11 reale Spieler*innen gegen 11 andere reale Spieler*innen, ganz wie im echten Fußball spielen. Der Modus wird immer beliebter. Gerade durch Corona mussten viele klassische Mannschaften den Spielbetrieb einstellen und versuchen durch eSport neue Mitglieder anzuziehen. Wenn Sie den realen Fußball mit einem virtuellen Fußballspiel vergleichen, denken Sie, dass der virtuelle Fußball auch mal so einen Stellenwert erreichen kann wie der reale Fußball?
Diese Frage muss ich leider definitiv verneinen. Dass wird so nicht möglich sein. Ein Stadion, wie das in Dortmund, wenn es voll ist mit 80.000 Menschen kann im virtuellen Modus in Deutschland nie erreicht werden, davon bin ich überzeugt. Muss ich leider so deutlich sagen. Aber, dieses Spiel hat durchaus interessante Aspekte und kann wie gesagt den Fußball, wenn er nicht gespielt werden darf und er darf ja leider in unteren Klassen nicht gespielt werden, ganz bestimmt ein sehr sinnvoller Ersatz sein. Ich habe gehört, dass es in Asien und den USA teilweise jedoch ähnliche Ausmaße wie in der Bundesliga annimmt.

2020 feierten Sie ihr Comeback als Kommentator bei dem Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt. Wäre es für Sie denkbar einmal ein virtuelles Fußballspiel live zu kommentieren? Die eSport-Szene bringt viele junge Kommentatorentalente hervor. Haben Sie als alter Hase einen Tipp für die nächste Kommentatoren-Generation?
Ja, dass ist natürlich schwer zu sagen als alter Hase. Es gibt solche Reporter und solche. Die hat es immer gegeben und wird es immer geben. Was soll ich da sagen, ihr müsst lesen, lesen, lesen. Lesen verbessert die Sprache, vermittelt Sprachbilder und das ist für mich das Interessante an der Fußball-Kommentation. Alles andere haben Generationen von Reportern schon in Blei gegossen und man könnte die Übertragung eines Fußballspiels aus dem Archiv veranstalten, wenn man das mal wollte, dann wären die ganzen Singvögel überflüssig.

Wäre es denn für Sie denkbar ein virtuelles Fußballspiel mal live zu kommentieren?
Also vorstellbar wäre es schon. Ich könnte sogar ein Fußballspiel sozusagen aus den Bauch heraus kommentieren wenn ich dazu aufgefordert würde. Dann müsste ich noch nicht einmal Bilder sehen. Also warum soll ich deshalb ein virtuelles Spiel, wenn ich dazu ein paar Bilder sehe, sagen wir mal auf dem Laptop und so, nicht auch kommentieren können. Irgendwie wird das schon gehen.

Wie lange bereiten Sie sich vor einem Spiel für dieses vor?
Für ein reales Fußballspiel in der Regel ca. 1-1,5 Std. Beim Videospiel kommt es drauf an, welche Unterlagen ich da kriege. Ich habe ja wie gesagt keine Vorkenntnis. Also wenn ich ein paar Unterlagen kriegen würde, würde ich mal sagen, ne Stunde vielleicht, oder 1,5h müssten eigentlich reichen.

Bei Ihrem Auftritt in der Show „Promi Big Brother“ haben Sie offen über Ihre Spielsucht gesprochen. Ihre Offenheit und Ihr Einsatz in diesem TV-Format hat Ihnen letztlich auch den Sieg und viel Respekt eingebracht. In der Fußball-Simulation „Fifa“ ist es möglich, bestimmte Gegenstände und Spieler in virtuellen „Packs“ zu ziehen um damit sein Team zu verbessern. Diese „Packs“ kosten Geld und stehen aktuell in großer Kritik. Es kommt vor, dass vor allem jüngere Menschen dazu verleitet werden, in eine Art Glücksspielsucht zu verfallen. Haben Sie davon schon einmal etwas gehört? Wie ist Ihre Meinung dazu? 
Ja, ich hab darüber sogar in der Süddeutschen Zeitung gelesen. Das ist für mich ein bis dahin unbekanntes Minenfeld für junge Spieler insbesondere. Also davor kann ich nur warnen und mich der Kritik deutlich anschließen. Ihr müsst aufpassen, dass sozusagen über den eSport da nicht auch Menschen über Gewinnspiele in die Sucht verfallen. Das ist ein ganz gefährliches Pflaster. Da kann ich nur alle Freunde des eSports auffordern, dagegen müsst Ihr euch konsequent wehren. 

In ein paar anderen Ländern ist der eSport bereits als Sportart anerkannt. Können Sie sich vorstellen, dass der virtuelle Sport auch irgendwann einmal als offizielle Sportart in Deutschland anerkannt wird?Das kann ich mir vorstellen und ich kann es eigentlich nur wünschen. Warum sollte das nicht passieren? Der Sport hat genug Anhänger und dann hätte er das auch verdient. 

Wir bedanken uns für Ihre Worte und wünschen Ihnen vor allem, dass Sie gesund durch diese Zeit kommen. 

Für die jüngeren Leser haben wir hier noch ein paar Links über Werner Hansch:

http://www.wernerhansch.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Hansch
https://www.facebook.com/Sportkommentator.Werner.Hansch/
https://www.instagram.com/wernerhansch/?hl=de

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