Über eSport. Über Afrika. Über Rassismus.

Über eSport. Über Afrika. Über Rassismus.

Lesezeit: dauert länger als du eigentlich Zeit hast 😉 

Wir haben uns gefragt, was bedeutet der eSport für Afrika. Und wir hatten wirklich keine Ahnung. Wir schreiben jetzt direkt alle Eindrücke die wir kriegen auf und nehmen euch jetzt ,,live“ mit  (okay, nicht ganz live, aber fast) .

Wir googeln ,,esport afrika“ und landen bei #africanesportchampionship auf twitter. Wir sehen 1.531 Follower (kurze Recherchepause – wir sind bei 1.843 Follower). Nicht schlecht denken wir uns. Follower auf Twitter zu generieren ist nicht so leicht (Randnotiz: Wir haben NULL Follower auf Twitter). 
Sie berichteten z. B. über den EFA World Cup. Teilnehmende Länder waren Nigeria, Ghana, Simbabwe, Angola, Ägypten, Marokko und Tunesien. Wir fragen uns, warum wir von dem Event noch nichts mitbekommen haben. Es gibt aktuell wirklich unüberschaubar viele eSport-Online-Events. Alle buhlen um Aufmerksamkeit, aber nicht jedes Event bekommt sie. Liegt darin schon eine Kerneigenschaft des eSports? Die ständige Verfügbarkeit? Wann ist ein eSport-Event nicht mehr ein Beliebiges wie 1000 andere zuvor? Wir schweifen ab, aber wollen den Gedanken noch äußern, dass eSport nicht in starre Rahmen gepresst werden kann. Eine Fußball-EM oder Fußball-WM-Schablone als „Best Practise“ funktioniert aus unserer Sicht nicht im eSport. Das ist schade, denn gerade die afrikanischen Teams hätten mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Wir machen eine Pause – am nächsten Tag geht es weiter (beim damaligen Followerstand). Wir gehen wieder zu #africanesportchampionship. Wir folgen nun auch. Wir springen zurück zu Google. Geben die gleichen Suchbegriffe ein und landen beim africanbusinessmagazin (https://african.business/2020/05/economy/global-esport-industry-eyes-african-market/).
In Südafrika ist der eSport stark im kommen. Eine Spielerin namens Sam W. wird wie folgt zitiert: „Wenn du spielst, sind alle gleich. Es spielt keine Rolle, ob Sie behindert sind oder welche Farbe Ihre Haut hat, es spielt keine Rolle, welches Geschlecht Sie haben. Wenn Sie in diesem Spiel sind, sind Sie auf dem gleichen Spielfeld. Und ich denke, das ist es, was wirklich Spaß macht, besonders in dieser Zeit “. Wir sehen das im Übrigen auch so. 
Aber ist der eSport frei von Rassismus? Leider nein. Das zeigten Berichte von Liga-Veranstaltern, die Teams aufgrund von rassistischen Äußerungen vom laufenden Wettbewerb ausgeschlossen hatten. Aber bekommt das jemand außerhalb des eSports mit? Das die Szene selbstbewusst zeigt, bis hierhin und nicht weiter? Das sie Anteil nehmen? Pro Club-Teams (bis zu 11 aktive Feldspieler) hatten sich im Zuge der der Black Lives Matter-Bewegung virtuell auf dem Rasen zusammengefunden und am Mittelkreis eine Schweigeminute absolviert. Nein, das kriegt niemand mit, der nur den Begriff eSport hört und damit nichts anfangen kann – leider der überwiegende Teil. 

Timo Schöber hatte sich zum Thema Rassismus auch etwas umfangreicher auf Gaming-Grounds geäußert. Den Beitrag sollte jeder mal gelesen haben: https://www.gaminggrounds.de/rassismus-als-geschwuer-der-gesellschaft-und-seine-rolle-im-e-sport/

Es geht weiter. Es folgen die bekannten Prognosen, wie großartig sich der eSport auch in Afrika entwickeln wird, welch Potenzial entsteht und was damit alles möglich sein wird. Aber vieles ist aktuell dem Bericht zu folge eben nicht möglich. Zum Beispiel zwingt eine ungenügende Datenverbindung Top-Spieler dazu ins Ausland zu fahren um dort an Online-Wettkämpfe teilzunehmen. Dem Beispiel werden sicher auch deutsche Spieler folgen wenn Deutschlands digitale Infrastruktur weiter vernachlässigt wird. 

Wir steigen nun wieder aktiv in diesen Artikel ein. Er ist leider etwas liegen geblieben, was nicht heißen soll das er keine hohe Prio o. ä. hat, andere Themen bleiben genauso liegen.

Wir googeln also „esport fifa afrika” und landen bei EA. Es gibt dort die FIFA Global Series die unter anderem auch einen Sieger in Nahost/Afrika hervorbringt. Noch einmal die Frage: kriegt das jemand mit? Am Ende wird/wurde ein Preisgeld in Höhe von 228.000 US-Dollar ausgeschüttet. Das sind schon hohe Summe. Ähnliches gibt es natürlich auch in klassischen Sportarten. 

Macht es Sinn, den eSport als Sportart anzuerkennen? Man macht sich hier von einem Spiel abhängig, auf das man keinen Einfluß nehmen kann. Beispiel: Wenn EA alle Spieler so programmiert, dass sie nur ein Bein haben (nichts gegen Einbeinige) dann kannst du dein Können in die Tonne treten. Die (zumindest deutsche evtl. auch globale) Anerkennung als Sportart hängt also aus unserer Sicht von der Selbstlosigkeit von EA und Konami ab. Das Risiko ist ganz klar die Abhängigkeit von einem Videospielhersteller. Deshalb unser Vorschlag, das Risiko zu minimieren: aktuell könnte auch im etablierten Wettbewerb ein Mix aus Fifa und PES gespielt werden um sich langfristig unabhängiger zu machen, sich also Spieler*innen noch besser durch Leistung abheben können. Dies hatten wir auch schon im Beitrag zur eEM angedeutet. Hatte die eEM jemanden interessiert? Bitte mal Handzeichen geben, wer ganz nervös die eEM verfolgt hat. Eine Kombi aus beiden Spielen wäre also ein Signal gewesen (zumindest im Bereich 1 vs 1 und 2 vs 2). Und nun der Bogen zu Afrika.

Wir googeln erneut. Wie Sport1 berichtet (https://www.sport1.de/esports/fifa/2020/07/red-bull-verpflichtet-erstmals-afrikanischen-esportler) hat Red Bull im Juli 2020 einen südafrikanischen eSportler verpflichtet. Nach eigener Aussage begann er erst 2018 Fifa kompetitiv zu spielen. In dieser extrem kurzen Zeit gelangen ihm allerdings beachtliche Erfolge, wie z. B. der Qualifikation für den eWorld Cup in Südafrika. Wir hören immer wieder von großartigen Talenten, die schon nach 2-3 Jahren in die absoluten Spitze stoßen. Noch eine Eigenheit des eSports. Im klassischen Sport ist das kaum denkbar. 

Wir suchen weiter. Wie der Kicker berichtete (https://www.kicker.de/brunnenbau-in-afrika-hannover-profi-sorgt-fuer-sauberes-wasser-787994/artikel) spendete „Riad“ (Fifa-Profi bei Hannover 96) Geld für einen Brunnenbau in Tansania. Auch das ist eSport wie wir ihn fast tagtäglich erleben. Es gibt eine große Spendenbereitschaft in der Szene, selbst wenn bei dem Einzelnen gar nicht so viel Geld vorhanden ist. 

Ihr seht, im eSport gibt es keinen Stillstand. Wir könnten jeden Tag über zig Dinge schreiben. Die Entwicklung ist rasant. Hier genauso wie auf anderen Kontinenten. 

Was uns wichtig erscheint: Der Begriff eSport fliegt ja derzeit nur so rum in den Medien, nur bleibt er oftmals auch als unangenehmer Beigeschmack hängen. Warum? Weil sich viele Menschen einfach gar nichts darunter vorstellen können. Der Mensch neigt dazu, unbekannten Dingen erst einmal mit Abstand zu begegnen. Dieses Phänomen trifft gut auf den eSport zu. Wenn es den aktiven Spieler*innen gelingt, den eSport für jedermann verständlich und greifbar zu machen, dann gibt es auch mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. Hier ist jeder Einzelne gefordert. Unser Beitrag ist unsere Website und wir laden euch ein, aktiv daran mitzuarbeiten und die Inhalte aktuell zu halten. Esport-Fussball.de will eine große Klammer sein, die alles in diesem Bereich verständlich darlegt. Dafür sind wir angetreten. #nurgemeinsam 

Mal Handzeichen wer bis zu Ende gelesen hat 😉

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