„Football for Friendship“: Virtueller Web-Talk über die Entwicklung des Sports in der Pandemie.

Foto Webtalk F4F Schalke 04

Das internationale Kindersozialprogramm „Football for Friendship“ (F4F), das in diesem Jahr auf einer speziellen Digitalplattform stattfinden wird (wir haben bereits darüber berichtet), veranstaltete eine virtuelle Diskussion zum Thema „Motivation und Training im Kontext einer Pandemie: Auswirkungen von Online-Technologien auf den Sport“


Teilnehmer*innen des Webgesprächs waren Tim Reichert (FC Schalke 04, Chief Gaming Officer), Dylan Falco (FC Schalke 04, League of Legend Coach), Tim Latka (FC Schalke 04, professioneller Fifa-Spieler), Alexandra Kosteniuk (russische Schachweltmeisterin 2008 – 2010), Alexey Smertin (ehem. Kapitän der Russischen Nationalmannschaft) und Igor Bugaenko (Leiter der Abteilung für Sonderprojekte des russischen E-Sport-Verbandes). Moderiert wurde das Gespräch von Andy Robini (Euronews).


Online-Spiele freuen sich natürlich gerade in der Corona-Krise wachsender Beliebtheit. Und wenn wir einen Blick nach Russland werfen, wo eSport nun schon eine anerkannte Sportart ist, dann können wir erahnen, dass dies auch einmal in Deutschland möglich sein könnte. Aber in Russland wird nicht nur eSport betrieben, sondern es gibt auch sehr viele Menschen, die zum Beispiel online Schach spielen, wie Alexandra Kostenjuk ausführte. „Diese Pandemie öffnete im wahrsten Sinne des Wortes die Büchse der Pandora für uns. Wenn bereits vor Ausbruch der Pandemie ein Teil unserer Wettbewerbe online lief, so wurde auf einmal für alle klar: Das ist das günstigste Format sowohl für Zuschauer als auch für Teilnehmer“. Damit hatte die Entwicklung der letzten Monate auch sehr viel Einfluss auf den Schachsport. Im Gegensatz zum Online-Schach hat der eSport auch in Russland schon sehr viel mehr Zuschauer. Sie ist sich daher sicher, dass der eSport eine große Zukunft vor sich hat. 


Für Tim Reichert von Schalke 04 gehört der eSport schon seit seiner Kindheit zum Leben dazu. Als Gründer von SK Gaming (sein Bruder ist übrigens Gründer der ESL) hat er mittlerweile einen großen Wissensschatz im eSport aufbauen können. Durch seine Tätigkeit bei Schalke 04 sieht er natürlich sehr genau, wo der eSport Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit dem traditionellen Sport hat. Als Gemeinsamkeiten nannte er den vorhandenen Ligabetrieb (auch wenn es dort sehr viel mehr Ligen gibt, wie Ihr auf unserer Seite nachlesen könnt), der Wettbewerb an sich, das Training und die mentalen Anforderungen. Dies seien aber nur Bruchteile der eigentlichen Berührungspunkte. Ohne Talent wird es auf jeden Fall in beiden Bereichen schwierig wirklich erfolgreich zu sein. Alexey Smertin führte auch aus, dass Faktoren wie Teambuilding und der Fokus auf die Konzentration unbestreitbare Gemeinsamkeiten seien. Da bekanntlich eSport nicht körperbetont ausgeübt wird, ist dies sicher der größte Unterschied und so kann man eSport wohl eher als „passiven Sport“ bezeichnen. Es ist daher sinnvoll, neben dem eSport auch einem traditionellen Sport als Ausgleich nachzugehen. 


Wir konnten Tim Latka fragen, ob er mit seinen Streams anderen durch diese Zeit helfen kann. 
Tim Latka: „Als Erstes sollte man mit dem Spiel Spaß haben und auch gegen Freunde spielen. Ich streame täglich und gebe nützliche Tipps zum Spiel, dazu kann man dabei mit mir kommunizieren. Das Streaming wird mehr als Unterhaltung wahrgenommen und ersetzt immer mehr das lineare Fernsehen. Das ist die Zukunft und ich bin froh ein Teil dieser Zukunft sein zu dürfen. 


Weiter führte er aus, dass Mädchen und Jungen, egal ob im eSport oder im traditionellen Fußball, sich nie mit dem Erreichten zufrieden geben sollen. Für ihn ist der FC Schalke 04 zudem ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Integration von Spielern aus verschiedenen Ländern und Kulturen. 


Igor Bugaenko  zeigte sich zuversichtlich, dass die Pandemie dem Sport zugutekommen wird: „Trotz der Absage vieler Sportveranstaltungen bemühen wir uns die Qualität und den Geist der Wettkämpfe, die jetzt online stattfinden, zu erhalten. Die Pandemie hat sich auf die Art und Weise ausgewirkt, wie die Menschen ihre Freizeit verbringen. Ich denke, die wichtigste Errungenschaft dieser Periode besteht darin, die Wahrnehmung des Sports zu erweitern und die Rolle des eSports in der Welt neu zu bewerten.“ Laut Bugaenko ist das Publikum von eSport-Veranstaltungen allein in den letzten drei bis vier Jahren um das Fünffache gewachsen. 


Es war ein interessantes Web-Gespräch mit verschiedenen Blickwinkeln. Wir sind gespannt, wie das neue Spiel F4F-World im Kontext der Pandemie angenommen wird und ob es gerade in diesem speziellen Winter Kinder eine tolle Alternative zum ausgefallenen klassischen Sport bieten kann. 

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